Kulturstandards Deutschland-China.

Deutsche und chinesische Geschäftskultur in Theorie und Praxis

Ohne jeden Zweifel unterscheiden sich die Geschäftskulturen in verschiedenen Ländern voneinander. Doch wie lassen sich Kategorien bilden, die allgemeingültig erscheinen? Im Folgenden werden zentrale Unterschiede der deutschen und der chinesischen Business-Kultur vorgestellt. Dabei werden sowohl die Einteilungen in der Forschung als auch Phänomene in der Praxis berücksichtigt.

Deutsch-chinesische Kulturunterschiede in der Forschung

Die interkulturelle Forschung ist eine noch relativ junge Disziplin, doch wurden bereits verschiedene Ansätze entwickelt, die kulturellen Verhaltensweisen im Unternehmen und im Geschäftsleben zu vergleichen. Es verwundert nicht, dass regelmäßig Input aus der globalen Wirtschaft kommt, wo Unternehmen intern, aber auch extern mit verschiedenen Kultureinflüssen umgehen müssen.

Kulturstandards Deutschland-China nach Alexander Thomas

Ein wichtiger Vertreter der interkulturellen Forschung im deutschsprachigen Raum ist der Emeritus Alexander Thomas, der sich im Rahmen der Psychologie mit interkulturellen Unterschieden befasst hat. Er hat den Begriff der Kulturstandards verwendet, die als »zentrale Merkmale des kulturspezifischen Orientierungssystems« anzusehen sind. Vor dem Hintergrund seines Modells lassen sich beispielsweise die folgenden deutschen und chinesischen Kulturstandards gegenüberstellen:

Deutsche Kulturstandards Chinesische Kulturstandards
– Sach- und Regel-orientierung – Personen- und Harmonie-orientierung
– Direkte Kommunikation – Gesichtswahrung
in der Kommunikation

Kritisieren lässt sich an diesem Ansatz, dass die unterschiedlichen Verhaltensweisen, die als Kulturstandards formuliert werden, auf subjektiven Erfahrungen beruhen und zugleich sehr verallgemeinernd wirken. Möglichst repräsentative Ergebnisse wollte der niederländische Kulturexperte Geert Hofstede liefern, als er eine großangelegte Studie startete, die bis heute kontrovers diskutiert wird.

Kulturdimensionen Deutschland-China nach Geert Hofstede

Hofstede führte in seiner Originalstudie (1967-1973) eine weltweite Umfrage unter IBM-Mitarbeitern durch. Er definierte verschiedene Kulturdimensionen, die er nutzte, um einen Vergleich von Länderkulturen zu erstellen. Die chinesischen Daten in der Untersuchung gelten leider als unzuverlässig, dennoch werden sie verwendet, um etwa die folgenden deutsch-chinesischen Verhaltensweisen zu unterscheiden:

Kulturdimensionen
Deutschland
Kulturdimensionen
China
– Niedrige Machtdistanz
(d.h. wenig Hierarchie)
– Sehr hohe Machtdistanz (d.h. starke Hierarchie)
– Hohes Maß an Unsicherheitsvermeidung – Niedriges Maß an Unsicherheitsvermeidung

Obwohl eine größere Umfrage stattfand, wurde bei Hofstede unter anderem kritisiert, dass seine Untersuchung nicht die Länder, sondern nur das Unternehmen IBM einbezogen hätte. Zudem wurde bemängelt, dass die Dimensionen nicht plausibel hergeleitet und unterteilt seien. Zugutehalten kann man Hofstede definitiv, dass er für konstruktive Diskussionen in Hinblick auf mögliche Länderkulturen sorgte und sorgt. Seine Forschung ist darüber hinaus bis heute Ausgangspunkt für viele weitere ähnliche, ergänzende und abgrenzende Kulturstudien.

Deutschland-China-Ergebnisse der Globe-Studie

GLOBE (Global Leadership and Organizational Behaviour Effectiveness) ist ein Forschungsprojekt, das im Jahr 1991 vom Amerikaner Robert J. House initiiert wurde. Die Studie lässt sich inhaltlich als Erweiterung und Fortsetzung der Hofstede-Arbeit beschreiben.

Mehr als 17.000 mittlere Führungskräfte aus 62 Ländern nahmen an einer Umfrage teil, um einen angemessenen Führungsstil im weltweiten Vergleich zu ermitteln.

Die bereits etablierten Dimensionen wurden leicht angepasst, zwei neue Kategorien ergänzt. Die GLOBE-Studie bestätigte Hofstede darin, dass in China eine hohe Autoritätsorientierung im Vergleich zu einer eher niedrigen Autoritätsorientierung in Deutschland festgestellt wurde. Ferner legen die Umfrageergebnisse nahe, dass Deutschland leistungsorientierter als China ist, wenngleich der Abstand überschaubar bleibt. In Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter (Ist-Zustand) liegen die Daten Deutschlands und Chinas sehr eng zusammen.

Zwar wurden mit der GLOBE-Studie einige Schwächen des Ansatzes von Hofstede überwunden, doch bleiben manche Kritikpunkte bestehen. Etwa wird weiterhin nach Länderkulturen gefragt. Beanstanden lässt sich auch, dass die Forscher Vorgesetzte nach dem richtigen Verhalten von Vorgesetzten befragten, wo eventuell die Mitarbeiter bessere Auskunft hätten geben können.

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